Etatismus – Okkupation der Freiheit

Ich möchte einen weiteren grossartigen Freiheitsdenker vorstellen; es handelt sich um Stefan Blankertz; er ist Soziologe, Pädagoge und Schriftsteller.

Im Februar 2013 ist sein neues Buch Pädagogik mit beschränkter Haftung – Kritische Schultheorie erschienen.
Was misst der IQ? Anpassung, Wissen und Erinnerung, Fertigkeiten wie Kopfrechnen, Resistenz gegen Prüfungsdruck, Ratefähigkeit. Der IQ nützt nur Bürokraten, den Schulmönchen, wie Goodman sagte, oder den Konstruktivisten, wie Hayek sie nannte.

paedagogik-mit-beschraenkter-haftungKurzbeschreibung:
Schüler, Eltern, Lehrer klagen über die Schule. Politiker, Öffentlichkeit und Wirtschaft fordern mehr Leistung. Pädagogen wollen Chancengleichheit, Förderung und Integration. Dieses Buch argumentiert, dass der öffentlichen Schule Konstruktionsfehler innewohnen, die sie unreformierbar macht und verhindert, dass die Schule leistet, was sie soll. Es zeigt aber auch, welchen Interessen die derzeitige Schule dient und warum eine Öffnung zu mehr Eigenverantwortung und mehr pädagogischen Experimenten so heftig bekämpft wird.

Der Autor beschäftigt sich seit vierzig Jahren mit Schulkritik und dieses Buch ist die Quintessenz seiner Forschungen und Überlegungen. Er stellt radikal in Frage, dass Zur-Schule-Gehen für alle Kinder die optimale Form des Lernens und der Vorbereitung aufs Leben ist. Dazu führt er sowohl soziologische als auch genetische Gründe an. Die Fixierung auf Gleichheit, die in Sozialwissenschaften, Pädagogik und Politik vorherrscht, verspielt das Wichtigste: Die individuelle optimale Förderung der Heranwachsenden.

Ein weiteres sehr wichtiges Buch von Herrn Blankertz ist das legendäre Libertäre Manifest.
Das vollständig überarbeitete Werk aus dem Jahre 2001 ist Ende 2012 gestrafft und aktualisiert als Neuauflage erschienen.

das_libertaere_manifestKurzbeschreibung:
Die staatliche Ordnung der menschlichen Gesellschaft ist nur eine vorübergehende Erscheinung. Der Staat entsteht durch Krieg, Eroberung und Unterdrückung. Er schafft Klassen, in denen sich seine Gewalt und seine Ungerechtigkeit ausdrückt. Dies gilt nicht nur für die Diktatur, sondern auch für die Demokratie. Die Überwindung der staatlichen Ordnung ist die Voraussetzung für ein menschenwürdiges Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand. Dies ist die vollständige Überarbeitung des legendären „libertären Manifests“ von 2001: Gereift in der Sprache, gestrafft und aktualisiert in der Darstellung, aber ohne Abstriche an Konsequenz und Radikalität des Engagements für Toleranz, Frieden und Freiheit.

Ein Ausschnitt aus dem „Libertären Manifest“ möchte ich nun folgend zitieren; es handelt vom Etatismus und der Okkupation der Verantwortung.

Auszug aus „Das libertäre Manifest“, Auflage von 2001; S. 99 / S.126:

Etatismus: der komplexe Staat

Fragen:
Welche gesellschaftlichen Funktionen hat der Staat okkupiert?
Wie hat er diese Funktionen okkupiert? Welche Folgen hat die Okkupation? Welche Klassenstruktur ergibt sich aus dem komplexen Staat, der viele gesellschaftliche Funktionen okkupiert hat? Welche Wirkungen hat die Okkupation auf Wirtschaft und Gesellschaft?

Thesen:
Die Okkupation gesellschaftlicher Funktionen – Recht, Wirtschaft, Bildung, gegenseitige Hilfe – löst keine sozialen Probleme, sondern verschärft sie. Es entsteht durch die Verteilungskämpfe eine komplexe Klassenstruktur, die verhindern soll, daß den Menschen ihr gemeinsames Interesse an der Freiheit zu Bewußtsein kommt.

Verstaatlichte Verantwortung

Fehlende Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, ist das Kennzeichen unserer Gesellschaft, das von eher konservativen Kulturkritikern am häufigsten beklagt wird. Dabei ist jedoch zu fragen, zu welcher »guten alten Zeit« Konservative in diesem Punkt zurückkehren wollen: Früher durften die meisten Menschen keine Verantwortung übernehmen – und heute? Wollen sie es nicht oder können sie es nach wie vor nicht? Der Ideologie von der gesellschaftlichen Absicherung gegen das Risiko entspricht die Ablehnung von individueller Verantwortung.

Typische Erscheinungsformen:

  • Wenn es ein Unglück gibt (etwa ein Flugzeug stürzt ab oder ein Zug entgleist), bei dem »menschliches Versagen« eine Rolle spielt, ist der erste Ruf immer der nach besseren Regeln, lückenloser technischer Überwachung und mehr Kontrolle.
  • Wenn ein Arzt durch einen Kunstfehler einen Patienten schädigt, werden genauere Vorgaben bei der Behandlung gefordert.
  • Wenn es in der Politik einen Bestechungsskandal gibt, überlegt man, wie man durch neue Gesetze und weitere bürokratische Hürden so etwas für die Zukunft verhindern könnte.
  • Wenn jemand aus unserer Mitte zum Mörder wird, entwickelt man Behandlungspläne, um ihn wieder in die Gesellschaft einzugliedern.
  • Wenn durch unsachgemäßen Gebrauch von irgendetwas ein Schaden entsteht, zwingt man die Hersteller, selbst gegen noch so aberwitzige Eventualitäten Sicherungen einzubauen.

In der etatistischen Gesellschaft ist die Übernahme von Verantwortung im Idealfall unnötig geworden.

Es geht gar nicht um die Frage, ob Menschen Verantwortung übernehmen wollen. Vielmehr scheint die individuelle Verantwortung ein überflüssiger Anachronismus zu sein. Denn die Verantwortung tragen nicht mehr Menschen, sondern Maschinen, Strukturen und Regeln. Maschinen, Strukturen und Regeln werden unglücklicherweise von fehlbaren Menschen gemacht. Die Menschen, denen die Maschinen, Strukturen und Regeln unterstellt sind, werden mit unglaublicher Verantwortung überfrachtet. Für sie gilt die gesellschaftliche Erlaubnis zu grenzenloser Selbstverwirklichung übrigens nicht.

Machen wir den Vergleich: Ein Arzt behandelt eine begrenzte Zahl von Patienten. Wenn er Fehler macht, so ist das seine Verantwortung. Der Bereich seiner Verantwortung ist sowohl für ihn selbst als auch für seine Patienten sehr gut überschaubar. Dann arbeitet, um individuelle ärztliche Fehler zu minimieren, ein Gremium von Ärzten Vorgaben für die Behandlung irgendeiner Krankheit aus. Sie tun das bestimmt »nach bestem Wissen und Gewissen«, wie man so schön sagt. Nach diesen Vorgaben müssen sich jetzt tausende von Ärzten richten.
Ein Fehler in einer solchen Behandlungsvorgabe richtet nun auch einen tausendmal größeren Schaden an. Für diesen Schaden ist überdies niemand mehr verantwortlich. Der behandelnde Arzt ist nicht verantwortlich, insofern er sich an die Vorgabe gehalten hat (selbst wenn er hätte merken müssen, daß eine Abweichung von der Vorgabe für den Patienten besser gewesen wäre). Die Kommission, die die Vorgabe ausgearbeitet hat, ist keine Person, die Verantwortung haben könnte. Ihre Mitglieder sind inzwischen vielleicht verstorben. Selbst wenn sie noch leben, kann ein Kommissionsmitglied zum Beispiel sagen: »Ich war schon damals anderer Meinung, aber ich wurde überstimmt.« Ein anderes Kommissionsmitglied sagt etwa: »Damals waren unsere Vorgaben in Ordnung. Inzwischen ist die Wissenschaft weiter, ich weiß. Aber es war mir nicht möglich, eine Veränderung der Vorgaben durchzusetzen.«

Ist dieser Prozeß der Okkupation der Verantwortung durch das anonyme Netzwerk staatlicher Institutionen abgeschlossen, wird die Übernahme individueller Verantwortung zum kriminellen Akt gestempelt.

Ein Arzt wird – um beim Beispiel zu bleiben – selbst dann für eine Abweichung von den Behandlungsvorgaben belangt werden können, wenn er dadurch seinen Patienten etwas Gutes tut.

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