Politik – Eigenverantwortung adé!

Nach diesem Abstimmungssonntag vom 3. März 2013, der sogar international für Aufsehen gesorgt hat, wird es noch einige Tage mediale Nachwehen geben bis er dann vollends vergessen wird.

Wie immer bei Abstimmungen wurde vorgängig mit billigen, aber gut gewählten, Schlagbegriffen um sich geworfen, die den Nerv der Zeit zu treffen scheinen. Man kann es auch politische Marktforschung nennen oder professionelle Anwendung des Know-Hows der „Psychologie der Massen“ (siehe Gustave Le Bon).

Die Diskussionen in der Bevölkerung sind derart politisiert, dass ein klarer und logischer Gedanke eigentlich keine Chance hat, geschweige denn einen fundierten und vernünftigen Argumentationsaustausch.

Es kann im Besonderen bei Abstimmungskämpfen, aber auch sonst im Alltag nicht erwartet werden, dass echte Werte wie Eigenverantwortung und Selbstbestimmung in die Diskussion miteinbezogen werden, wenn die Gesellschaft komplett politisiert ist.

Politik im Staatswesen ist per Definition die Abgabe von Verantwortung und Selbstbestimmung.

Sofern die Menschen sich nicht aus den Ketten der „politischen und mentalen Gefangenschaft“ des auf gewaltbasierten Staatswesen und den Massenmedien befreien, wird freiwillig die Fremdbestimmung der Selbstbestimmung vorgezogen. Getreu nach dem Motto: Wer Sicherheit für Freiheit eintauscht, wird am Ende beides verlieren.

Als Libertärer ist der Abstimmungssonntag bzw. sind die Resultate nicht weiter zu kommentieren. Sollten keine neuen Gesetze geschaffen worden sein, kann man es als „immerhin“ bezeichnen. Alles andere erübrigt sich.
Die sinnlose Feinarbeit überlasse ich dann lieber den staatsgläubigen Journalisten.

Die Kollektivisten, Umverteiler und sog. Gutmenschen (also eigentlich alle Politiker sämtlicher Parteien), aber diesmal von links, rufen nach der Annahme der „Abzocker-Initiative“ bereits nach weiteren Massnahmen um die Menschen von den „Lasten der Marktwirtschaft“ zu befreien.

Der Präsident der Sozialisten Christian Levrat, nannte nach dem Erfolg:

  • auch die nächsten Schritte auf der politischen Agenda in Richtung mehr soziale Gerechtigkeit: Es sind dies die «1:12»-Initiative der JUSO, die Mindestlohn-Initiative, die Erbschaftssteuer-Initiative und die Initiative für die Abschaffung der Pauschalbesteuerung.

Natürlich! DIE „soziale Gerechtigkeit“ als DAS Schlagwort der Sozialdemokraten. Auf Zwang und Raub komm raus!

Die Umverteilungsmaschinerie soll noch einen Gang höher schalten; mit Vollgas in eine Welt der „sozialen Gleichheit“.

Dass es den Libertären nicht an fehlendem sozialem Gewissen fehlt, habe ich bereits in meinem Artikel zum BGE erläutert.
Es ist eben genau das soziale Gewissen, welches vehement gegen jegliche Markt- und Gesellschaftseingriffe seitens des Staates, argumentiert. Die Eingriffe manifestieren sich schlussendlich immer als anti-sozial und fern jeder „sozialen Gerechtigkeit“. Aber das ist ein anderes Thema.

Dass eine „soziale Gerechtigkeit“ nicht durch staatlich verordneten Zwang erreicht werden kann und dies ausserdem die Natur der Ökonomie völlig verkennt, möchte ich anhand eines Auszuges vom Mises’schen Werk „Die Nationalökonomie“ erläutern.

Denn solange nicht erkannt wird, dass wir als Individuen die Hauptverantwortung in der Gesellschaft tragen und diese u.a. im täglichen Wählen und Werten zu unserer Bedürfnisbefriedigung ausleben, solange wird es keine sog. soziale Gerechtigkeit geben.

Politiker werden niemals die echte Lösung vertreten; denn das Bewusstsein darüber, macht sie machtlos und überflüssig: es ist die Eigenverantwortung und Selbstbestimmung des Individuums

Der Auszug handelt von den Unternehmer und den Konsumenten oder umgekehrt.

Unternehmer und Verbraucher
(Nationalökonomie, S. 258)

Die unternehmendsten Wirte, die Unternehmer, stehen auf dem Markte an der sichtbarsten Stelle. Sie sind die Leiter der Produktion, sie treiben an, ordnen an, lenken, befehlen. Der Markt scheint unter ihrer Führung zu stehen, denn nur das geschieht, was die Unternehmer planen und ausführen.

Doch die letzten Entscheidungen werden nicht von den Unternehmern getroffen, sondern von der Nachfrage der Verbraucher. Die Unternehmer – Erzeuger und Händler – sind darauf bedacht, nur das auf den Markt zu bringen, wofür die Verbraucher die günstigsten Preise zu bewilligen geneigt sind. Sie arbeiten für den Verbraucher, sie trachten das zu bereiten, wofür ihrer Meinung nach der Verbraucher Begehr haben wird.

Die Verbraucher kaufen dort ein, wo ihnen das, was Sie begehren, am billigsten angeboten wird. Ihr Kaufen oder ihre Enthaltung vom Kaufen entscheidet über das Schicksal der Unternehmer. Sie machen den Unternehmer reich oder arm, sie machen kleine Unternehmer groß und drängen andere Unternehmer aus der Unternehmerstellung hinaus. Sie zwingen die Unternehmer zur Befolgung ihrer Befehle. Der Unternehmer, der nicht gewillt oder nicht fähig ist, das, was die Verbraucher begehren, zum billigsten Preise zu liefern, erleidet Vermögenseinbussen, die ihn nötigen, entweder rechtzeitig sein Vorgehen zu ändern oder aber schließlich die Unternehmertätigkeit aufzugeben. Der Verbraucher – der Käufer – entscheidet; er mag noch so verkehrte Wünsche äußern, er mag noch so launisch und unbeständig in seinem Begehren sein, soweit er bereit ist, für die Befriedigung seines Begehrs zu zahlen, muss der Unternehmer sich ihm fügen.

In unmittelbare Berührung mit dem Verbraucher treten nur die Unternehmer, die gebrauchs- und verbrauchsreife Genussgüter auf den Markt bringen. Nur sie sind von den Verbrauchern unmittelbar abhängig, nur sie empfangen unmittelbar seine Befehle. Doch sie geben diese Befehle und diese Abhängigkeit an die Unternehmer, die Güter höherer Ordnung auf den Markt bringen, weiter. Denn sie selbst müssen dort einkaufen, wo sie die für die Befriedigung der Wünsche der Verbraucher benötigten Güter höherer Ordnung am billigsten erstehen können. Würden sie nicht die billigsten Einkaufsquellen ausnützen, würden sie nicht so verfahren, dass sie die Güter höherer Ordnung so zweckmäßig als möglich zur Herstellung der Güter erster Ordnung verwenden, dann wären sie nicht fähig, die Wünsche der Verbraucher zu den niedrigsten Preisen zu befriedigen; tüchtigere Unternehmer, die besser einzukaufen und besser zu verarbeiten verstehen, würden sie aus dem Markte drängen. Der Verbraucher mag als Käufer seinen Launen und Liebhabereien folgen; der Unternehmer darf für seine Unternehmung nur so einkaufen, wie es die zweckmäßigste Befriedigung der Wünsche der Verbraucher verlangt. Jede Abweichung von dieser ihm durch die Verbraucher vorgeschriebenen Linie geht zu seinen Lasten, mindert seinen Gewinn oder zehrt ihn ganz auf, schwächt damit seinen Vermögensstand, bringt ihm Verlust und gefährdet seine Unternehmerstellung. Das ist die vielberufene Härte des alles in Heller und Pfennig berechnenden Unternehmers. Er übt sie im Auftrage des Verbrauchers, der nicht bereit ist, den ihm dienenden Unternehmern mehr zu vergüten, wenn sie überflüssige Ausgaben gemacht haben. Das, was man im Sprachgebrauch des Alltags Wirtschaftlichkeit nennt, wird von den Verbrauchern durch ihr Verhalten auf dem Markte dem Handeln der Unternehmer und ihrer Gehilfen als Gesetz vorgeschrieben.

Die Verbraucher sind es mithin, die mittelbar alle Preise und Löhne und damit die Reichtumsgestaltung aller Glieder der Gesellschaft bestimmen. Ihre Wahlakte bestimmen, wer Unternehmer und Besitzer von Produktionsmitteln sein soll. Mit jedem Groschen, den sie ausgeben, beeinflussen sie Richtung, Umfang und Art der Produktion und der Absatzorganisation. Man hat diese Gestaltung der Dinge mit der politischen Demokratie verglichen und davon gesprochen, dass der Markt eine Demokratie bilde, bei der jeder Pfennig einen Stimmzettel darstelle. Die demokratische Wahlordnung mag eher als ein unzulänglicher Versuch angesehen werden, im politischen Leben die Marktverfassung nachzubilden. Auf dem Markt geht keine Stimme verloren. Jeder verausgabte Betrag, er mag noch so klein sein, übt seine Wirkung auf die Produktion. Die Entscheidung des Verbrauchers setzt sich mit dem ganzen Gewicht, das er ihr durch die Aufwendung des Geldbetrages gibt, bis in die entferntesten Bezirke des gesellschaftlichen Produktionsapparates durch.

Niemand vermag sich diesem Einfluss zu entziehen. Die Arbeitsteilung sondert Verbrauch und Erzeugung. Im Grenzfall, der auf der gegenwärtigen Stufe der Ausgestaltung der Arbeitsteilung nicht selten gegeben ist, verbraucht der Erzeuger selbst nichts von dem, was er erzeugt; die gesamte Erzeugung dient unmittelbar anderen und nur mittelbar – durch den Ertrag, den ihre Veräußerung gegen Geld abwirft, – ihm selbst. Das, was diesem scheinbar so schwerfälligen und unübersehbarem Getriebe allein Sinn und Zweck gibt, ist die durch die Geldrechnung geregelte Anpassung an die Wünsche der Verbraucher.

Quellen:
Ludwig von Mises – Nationalökonomie (1940)
Die “Nationalökonomie” ist das Hauptwerk von Ludwig von Mises, in welchem er ausgehend von der Behandlung der philosophischen und methodologischen Grundlagen der Volkswirtschaftslehre die verschiedenen Aspekte der Marktwirtschaft und, darauf aufbauend, die Folgen interventionistischer Eingriffe bis hin zum totalen Sozialismus erörtert.

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4 Kommentare

  1. Marcel

    Vielen Dank für deine qualitativ stets hochstehenden Beiträge und die regelmässig angehängten Literaturtipps. Ich lese deinen Blog sehr gerne. Weiter so!
    Ich studiere Soziale Arbeit im Wallis (es ist meist ein Graus, was da von den Dozenten kommt und ich möchte mich eigentlich mit einer staatlich unabhängigen SA befassen, aber das ist sehr schwierig) und möchte nun an der Schule Vorträge zum Thema „Freiheit“ (im libertären Sinne) organisieren. Hast du vielleicht irgendwelche Kontakte? Merci!

    • Kibaybay

      Hallo Marcel

      Danke für deinen Kommentar.
      Es freut und motiviert mich, wenn meine Beiträge einen Mehrwert bieten.

      Wie ich mal in einem Beitrag erwähnt habe, kann man mit Blogbeiträgen zwar zum Nachdenken anregen und Sachverhalte thematisieren, aber nichts ersetzt Bücher.
      1 guter Buchtipp kann Wunder wirken. Wird dann ein solches Buch gelesen und das Interesse geweckt, findet sich der Weg zu weiteren Büchern wie von selbst. Vielfach sind in den Büchern ebenfalls Auszüge aus anderen Büchern und unzählige gute Verweise auf exzellente Bücher.

      Das staatliche Bildungssystem ist eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Säule für das Funktionieren eines auf gewaltbasierten Staatswesens. Es liegt also in der Natur der Sache, dass in staatlichen oder auch nur staatlich genehmigten Schulen niemals echte libertäre Werte gelehrt werden. Einzig ein freier Bildungsmarkt ohne staatliche Gehnemigungspflicht würde eine Bildungs-Vielfalt entstehen lassen die dann u.a. auch Lehren im libertären Sinne vertreten wird.
      Hier ein spannender Beitrag zur staatlichen Schulpflicht: http://www.freiwilligfrei.info/archives/3641

      Heute gelten Mises, Rothbard und viele weitere libertäre Denker als Radikale im negativen Sinne. Eigenverantwortung und Selbstbestimmung ist radikal; aus Sicht des Staats ist Selbstbestimmung in der Tat radikal. Nähmlich eine radikale Abkehr vom Staat als DEN enteignenden Freiheitsräuber.

      Kennst du Jesper Juul?
      Ein Familientherapeut; aber nicht im herkömmliche Sinne, sondern sehr auf Verantwortung als auf Gehorsam basierten „Erziehung“ der Kinder. Er hat viele Bücher geschrieben und du findest auch Beiträge auf Youtube. Ein empfehlenswertes Buch ist sicher dieses hier: Vom Gehorsam zur Verantwortung. Für eine neue Erziehungskultur.

      Möchtest du Vorträge generell zur libertären Überzeugung organisieren oder im speziellen in Bezug auf Soziale Arbeit?
      Ich habe keine speziellen Kontakte wenn es darum geht einen „offiziellen“ Referent zu nennen.

      Gerne bin ich bereit dazu solche Vorträge zu halten. Einen Vortrag zu einem konkreten Thema ausarbeiten, ist immer sehr lehrreich.
      Wäre also ein Interesse deinerseits vorhanden, wäre das sicher eine spannende Sache!

  2. Marcel

    Hallo und danke für deine rasche Antwort. Juul kenne ich nicht, aber danke für die Tipps.

    Es gibt meines Erachtens eine Verbindung zur Sozialen Arbeit in allen libertären Themenbereichen und zwar über die Menschenrechte, die bei uns natürlich sehr wichtig sind (leider bezieht man sich auf die UN-Menschenrechte und nicht auf die ursprünglichen). Wenn man sonst noch Bezug nehmen kann, ist das natürlich immer von Vorteil (z.B. Thema Sozialstaat oder dergleichen). Was wären denn etwa Themen „generell zur libertären Überzeugung“?

    Ich bin auch noch auf der Suche nach weiteren möglichen Referenten und ich möchte auch selber einen Vortrag auf die Beine stellen, in dem ich den Sozis eben diese Verbindung zu den Menschenrechten (eine freie Gesellschaft ist gut für weniger privilegierte Menschen) klar machen möchte und darlegen, weshalb es so wichtig ist, dass man sich wieder einmal über Grundsätze unterhalten sollte usw. Dein Angebot ist natürlich super! Können wir per Mail weiter kommunizieren? Merci!

    • Kibaybay

      Es ist ein wichtiger Punkt den du aufgegriffen hast bezüglich den Menschenrechten.
      Für Libertäre sind es nicht die UN-Menschenrechte welche als Grundlage dienen, sondern die „natürlichen Menschenrechte“ wie auch Rothbard sie nennt.

      Das Fundament der natürlichen Menschenrechte ist wie ich hier erläutert habe, dass Selbsteigentum; das Eigentum an sich selbst.

      Einzig eine Gesellschaftsidee die auf dem Axiom des Selbsteigentums beruht und ausnahmslos konsequent darauf argumentiert und aufbaut, wird der Selbstbestimmung und somit der Freiheit der Menschen gerecht.

      „Ein Recht“ auf etwas, zieht immer ein Anspruch nach sich, der heute von den Staaten per Zwang „garantiert“ wird. Wird etwas mit initierendem Zwang durchgesetzt, wird das natürliche Menschenrecht des Selbsteigentums verletzt. Der Sozialstaat ist ein verlockendes Konstrukt, dass aber auch massiv das Selbsteigentum verletzt.
      Es gibt andere Lösungen die dem Selbsteigentum nicht in die Quere kommen und trotzdem die Bedürftigen nicht fallen lässt.

      Ich melde mich per Mail bei dir.

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